Google+ Badge

Samstag, 8. Dezember 2012

Brief an ein zahn- und wahrscheinlich auch haarloses Monsterchen




Liebe Kaulquappe,
die letzten knapp zehn Monate mit dir waren einfach toll. <3 Mal von den gelegentlichen Zipperlein abgesehen, die wahrscheinlich in den meisten Schwangerschaften vorkommen, hatte ich eine absolut tolle Kugelzeit. Trotzdem muss ich dir, so sehr ich dich auch liebe und so sehr ich auch die Schwangerschaft genossen habe, sagen:
Langsam reichts!!! Komm raus!!!
Ich fühle mich wie ein Tieflader. Oder wie ein Komapatient. Als wäre mein Geist in einem Körper gefangen, der nicht mehr funktionieren will. Vor der Schwangerschaft hab ich ca. fünfmal pro Woche Sport gemacht (so intensiv, dass sogar der Arzt gesagt hat: „Meine Güte, Frau Peiler, Sie haben den Ruhepuls eines Leistungssportlers!“); seit zwei Monaten kann ich gar nichts mehr machen, weil du Krümel seitdem schon so tief im Becken liegst, dass ich dich fast auf den Kniescheiben hängen habe. Seit dem sechsten Monat konnte ich ohnehin nur noch Oma-Sport machen, also entweder auf dem Sportplatz walken, während meine Kugel um meine Hüften geschlackert ist, oder zwischen den Omis im Schwimmbad hin- und her bouncen.
Und auch, wenn ich es liebe, mit dir zu kuscheln und zu spielen, würde ich das ganz gerne mal extra-physisch statt intra-physisch machen, sprich: Ich will dir deinen windelbepackten Popo tätscheln statt deinen rechten Fuß zu kraulen, während er intensiven Kontakt zu meiner Blase aufnimmt (Anmerkung: autsch, verdammte Hacke). Rippenklavier ist auch nicht ganz so lustig wie es sich anhört, und Mutterbänder sind nur bis zu einem gewissen Punkt flexibel, wie ich jede Nacht schmerzhaft feststellen muss. Ach ja, eine Stunde am Stück zu schlafen ist ebenfalls zu purem Luxus verkommen. Da freu ich mich doch direkt auf´s Stillen, denn da muss ich zwar auch jede Nacht drei-, viermal raus, aber in den Phasen dazwischen kann ich wenigstens schlafen.
Dein Zimmer ist so gut wie fertig; bei der Schnecke, die ich an die Wand gepinselt habe, fehlen nur noch die tussimäßigen Wimpern (der Pinsel war zu groß). Falls es das ist, was dich davon abhält, endlich aus mir rauszukrabbeln, bitte ich vielmals um Verzeihung! Die Wimpern werden sofort nachgeholt.
Und nun, meine kleine Kaulquappe, verabschiede dich bitte von deinem Schoko-, äh, Mutterkuchen, gib deinen Seiltanz mit der Nabelschnur auf und mach dich auf den Weg. Mami hat die Schnauze voll. Papi auch. Und der Opa und die beiden Omas ebenfalls. 
Außerdem ist gestern zum ersten Mal das böse Wort mit E gefallen. Einleitung. Muss nun wirklich nicht sein.

(Und ich kann es kaum erwarten, deine kleinen knuffigen Füßchen zu knutschen)

Deine Mami <3

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen